Oer-Erkenschwicker Anzeiger vom 14.05.68
Besucher aus Longbenton
vom Landkreis empfangen
Sehr viel Ähnlichkeit mit hiesigem Landkreis
RECKLINGHAUSEN/VEST. Im Repräsentationsraum der Kreisverwaltung gab gestern der Landkreis Recklinghausen der sieben Personen zählenden englischen Gruppe aus der Stadt Longbenton, die zur Zeit in Oer-Erkenschwick zu einem Gegenbesuch weilt, einen Empfang. Von Seiten des Kreises nahmen Landrat Becker, Oberkreisdirektor Dr. Lübbersmann und Kreissyndikus Walter Richter, von Oer-Erkenschwick Stadtdirektor Sadowski, die CDU-Ratsmitglieder Hans-Günther Adam und Theodor Brinkmann sowie Realschullehrer Seyb, Frl. Brückmann und Frau Nolte als Dolmetscher teil.
Die englische Gruppe würde angeführt von Bürgermeister Fawcett. Stadtdirektor Harrison, die Schuldirektoren King und Clark sowie die Stadtvertreter Hogg, Wardle und Taylor waren die übrigen Teilnehmer.
Landrat Becker zeigte den Gästen an Hand einer Karte, wie die Grenzen Oer-Erkenschwicks, des Landkreises Recklinghausen und des Ruhrgebietes verlaufen. Auch die politische Zusammensetzung des Kreis-Parlamentes wurde den Besuchern erklärt. Dann überreichte Landrat Becker Bürgermeister Fawcett einen Bildband über den Landkreis Recklinghausen. Die übrigen Gäste erhielten ebnefalls eine Abhandlung über den Landkreis.

GÄSTE des Landkreises waren gestern die englische Gruppe aus Longbenton, die zur Zeit zu einem Gegenbesuch in Oer-Erkenschwick weilt. Landrat Becker überreichte den Besuchern während einer kleinen Feierstunde Informationsmaterial über den Landkreis Recklinghausen. Unser Foto zeigt Landrat Becker (rechts), der Bürgermeister Fawcett von Longbenton (links) einen Bildband über den Landkreis Recklinghausen überreicht. VNZ-Foto: Bialek
Bürgermeister Fawcett dankte dem Landkreis für die freundliche Einladung und betonte, es gäbe zwischem dem Landkreis Recklinghausen und seinem Distrikt (Landkreis) sehr viel Ähnlichkeit. Besonders hob er den Kohlebergbau hervor. Auch hier habe man fast die gleichen Schwierigkeiten wie im Ruhrgebiet. In einem regen Gedankenaustausch, der zum größten Teil in englischer Sprache geführt wurde, versuchten sich Gäste wie Gastgeber ein Bild von den anstehenden Problemen zumachen.
Landrat Becker kam auf die Wahlen in den nördlichen Distrikten Englands, die kürzlich stattfanden, zu sprechen und fand, die Konservativen hätten viele Stimmen gewinnen können, hingegen die Liberalen einiges verloren hätten. Seine Frage an Bürgermeister Fawcett: "Hat Mr. Wilson das verdient ?"
Bürgermeister Fawcett antwortete sehr direkt: "Das hat gar nichts mit der Regierung Wilson zu tun." Es liege einfach an der wirtschaftlichen Struktur dieser Gebiete. Wären die Konservativen an der Regierung, hätten sie dort Stimmen lassen müssen. So aber waren es die Liberalen.
Fawcett gestand, obschon er überzeugter Sozialist sei, vertrete er die Meinung: Auch die andere Partei solle ruhig mal regieren. (Eine solche demokratische Einstellung scheint es eben nur in England geben zu können.) Oberkreisdirektor Dr. Lübbersmann: Die Deutschen können, was die Demokratie angeht, viel von den Engländern lernen.
bia

