Stimberg Zeitung vom 15.07.1970
England wird in Zukunft näher
an die Länder Europas heranrücken
Leiter der englischen Schülergruppe für engere Kontakte
Oer-Erkenschwick. Eine ergiebige Aussprache hatten gestern Mr. Clark, der die englischen Austauschschüler aus Longbenton führt, die gegenwärtig hier zu Besuch sind, und Bürgermeister Netta (MdL). Es geht auf die Dauer darum, den begonnenen Schüleraustausch zwischen Oer-Erkenschwick und Longbenton zu erweitern, um zu einer umfassenden Beziehung beider Städte zu gelangen. Heinz Netta machte Mr. Clark dabei die Mitteilung, daß er für die nächsten drei oder vier Tage bereits nach London fliegen werde, um dort als Vertreter des Kreises Recklinghausen am Europäischen Gemeindetag teilzunehmen.
Kontaktbesuche von Vertretern beider Städte außer den Schülerbegegnungen haben schon stattgefunden. Nun gelte es, nach neuen Wegen Ausschau zu halten, wie die Begegnungen weiter intensiviert werden könnten. Netta betonte, er würde sich freuen, demnächst vom Rat der Stadt Longbenton entsprechende Vorschläge zu erhalten, während man sich in Oer-Erkenschwick ebenfalls in dieser Richtung bemühen wolle.
Mr. Clark unterstrich, dass England bislang zu sehr ein insulares Dasein geführt habe. Das Inselreich müsse näher an Europa heranrücken, und dabei habe besonders die Jugend diesseits und jenseits des Kanals eine große Aufgabe, die Völker in engere Verbindung zu bringen. Es stimme zuversichtlich, dass ehemalige Schüler aus Longbenton und Oer-Erkenschwick auch über die Schulbegegnungen hinaus in persönlichen Beziehungen blieben und manche schon ausgemacht hätten, ihren Urlaub bei den Freunden im anderen Land zu verbringen.
Mr. Clark unterstrich auch die Verdienste von Realschullehrer Seyb um den Schüleraustausch zwischen beiden Städten. Norbert Seyb habe viel zusätzliche Arbeit und manche Mühe dadurch gehabt, und es wäre zu wünschen, daß er mit der Zeit gute Früchte seiner Mühe reifen sehe.
Zur Erinnerung überreichte Bürgermeister Netta dem englischen Gast eine Miniaturgrubenlampe, die nach dessen Worten sein Heim gebührend zieren wird, zumal das Gebiet um Longbenton ähnlich vom Bergbau geprägt ist wie das Ruhrrevier. Der Schüleraustausch wird fortgesetzt, so dass sich deutsche Jungen und Mädchen in der englischen Sprache vervollkommnen können und englische Boys und Girls in der deutschen. Mit der Zeit werden auch Familien von hüben und drüben auf den Pfaden der Jugend zu wirklicher Freundschaft und Abbau der Grenzen beitragen, die in Europa einschließlich England allmählich fallen müßten.

Eine Miniaturgrubenlampe als Erinnerungsgabe von Bürgermeister Netta (rechts) nimmt Mr. Clark nach Longbenton mit.

