Stimberg Zeitung vom 09.06.1972
Delegation unserer Stadt beim
Bergarbeitertreffen in
Bedlington anwesend
Partnerschaftsurkunden für Longbenton mit im Gepäck
Oer-Erkenschwick. Zum offiziellen Abschluß einer Partnerschaft zwischen der Stimbergstadt und der englischen Stadt Longbenton fuhr gestern eine elfköpfige Delegation von Rat und Verwaltung nach England, wie wir bereits gestern ankündigten. Ein weiterer Fahrtteilnehmer ist M. Alex Faidherbe, Beauftragter für die Partnerschaft Halluin - Oer-Erkenschwick. Die heimische Delegation wird vier Tage in Longbenton verbringen und dabei Gelegenheit haben das Leben im weiteren Umkreis jener Stadt kennenzulernen. So werden die Besucher aus Oer-Erkenschwick am Samstag an einem großen Bergarbeitertreffen in Bedlington teilnehmen das für die meisten Delegationsmitglieder besonders interessant ist, weil sie selbst überwiegend im Bergbau beschäftigt sind.
Nach der Ankunft mit dem Flugzeug in Newcastle fuhren die heimischen Besucher sofort zu einer Sondersitzung des Rates von Longbenton, in der die Partnerschaftsurkunden von Chairman E. G. Taylor und Bürgermeister Netta (MdL) unterschrieben wurden. In den Reden dazu wurde hervorgehoben, daß beide Städte in mancherlei Hinsicht dieselben Probleme zu bewältigen haben und daher eine Partnerschaft schon zum Zwecke des
allgemeinen Erfahrungsaustausches sehr nützlich sei.
Heinz Netta vertrat die Ansicht, dass man gerade in den Gemeinden und Städten, als kleinsten Zellen des Staates, in den einzelnen Familien und vor allem in der Jugend den Geist der gegenseitigen Verständigung stärken und fördern sollte. Man sollte die Partnerschaft nicht nur formell beschließen, sondern sie ständig mit neuem Leben erfüllen, sie beflügeln und ihr immer wieder neuen Auftrieb geben. Auf englischer Seite wurde in ähnlicher Tonart gesprochen.
Im Besichtigungsprogramm für die Oer-Erkenschwicker sind sowohl der Besuch einer Schule (Killingworth High School) als auch einer Brauerei (Federation Brewery) vorgesehen. Am Sonntag soll eine Tagesfahrt durch die ganze Grafschaft Northumberland stattfinden, wozu Longbenton gehört. Das Gebiet ist insofern besonders interessant, als Longbenton ziemlich auf der Grenze zwischen England und Schottland liegt, in modernerer Zeit zwar nicht mehr so spürbar ist. Aber der römische Wall, der die Grafschaften Northumberland im Nordwesten gegen Schottland abzeichnet, macht noch in unseren Tagen sichtbar, dass hier einmal zwei Welten voneinander getrennt waren. Ähnlich, wie einmal der Limes zwischen Mittelrhein und oberer Donau das römische Weltreich an einer anderen Stelle gegen die freien Germanen abschloß.
Northumberland ist reich an Bauzeugnissen aus der Spätantike und dem frühen Mittelalter, reich an romantischen Burgen, aber auch bestückt mit modernen Industriestätten, die sich vornehmlich an der Küste um Newcastle gruppieren.
Kohlen nach Newcastle tragen ist in England ein ähnlich geflügeltes Wort wie hierzulande "Eulen nach Athen tragen". Dies Wort deutet auf die Wichtigkeit des Bergbaus um Newcastle. Die Kohle hat allerdings dort genauso ihre Spitzenstellung verloren wie hier an der Ruhr. Zahlreiche Schachtanlagen mußten dort ebenfalls geschlossen werden. Damit begannen Umstellungsschwierigkeiten und die Bemühungen um Ersatzbetriebe. Haargenau also dieselben Probleme, vor denen man auch hier steht. Eben darum könnte die Partnerschaft mit regem Gedankenaustausch zwischen den Bürgern beider Städte nach jeder Seite hin nützlich sein.

Die Delegation von Rat und Verwaltung der Stadt Oer-Erkenschwick vor ihrer Abfahrt nach England. Die Gruppe wurde mit dem großen neuen Krankenwagen zum Flughafen nach Düsseldorf gefahren. Die Luftreise mit Zwischenlandung in London endete in Newcastle, wo die Besucher fahrplanmäßig um 17.25 Uhr eintreffen sollten. Foto: Colneric

