Stimberg Zeitung vom 18.03.1974
Oer-Erkenschwick wechselt in Partnerschaft
von Longbenton auf die neue Großstadt Amberley
Heimische Delegation von England zurück / Gespräche über Wirtschaft und Bildungswesen
Oer-Erkenschwick. Um Städte- und Wohnungsbau, Schulen, Kultur und Strukturänderungen
drehten sich hauptsächlich die Gespräche, die eine Oer-Erkenschwicker Delegation bei ihrem Besuch
in der englischen Partnerstadt Longbenton führte. Die heimische Gruppe aus elf Ratsmitgliedern und drei Verwaltungsleuten bestehend, traf bei ihrem Besuch allerdings auf eine Stadt, die in völliger Neuordnung steht. Das heißt, Longbenton geht mit Wirkung vom 1. April im Zuge einer Kommunalreform in einer viel größeren Stadt auf, die Amberley genannt wird, 210 000 Einwohner zählt und einen ansehnlichen Bereich an der Tynemündung umfaßt. Mr. Garrison, der bisherige Stadtdirektor von Longbenton, der in Oer-Erkenschwick schon gut bekannt war, tritt in den Ruhestand.
Der noch amtierende Bürgermeister Billy Mins unterrichtete die heimische Delegation in seiner Begrüßungsansprache im Chrest-Hotel über die Entwicklung, die Longbenton bevorsteht. Er verwies aber zugleich auf das große Industriepotential, das in Amberley (North Tyneside Metropolitan District Council) vorhanden sei. Auf den Werften werden gewaltige Supertanker gebaut, moderne Chemiewerke stehen in Erweiterung, wogegen der Bergbau trotz der Ölkrise weiter zurückgeht. Man hat nördlich der Tyne noch lediglich vier Kohlenzechen, denen eine Betriebsdauer von allenfalls zehn Jahren zugestanden wird.
Die Probleme, die sich um Longbenton stellen, gleichen also verblüffend denjenigen, die hier zu bewältigen sind, sogar einschließlich der Kommunalreform. Natürlich machen sich im Zuge der allgemeinen Entwicklung dort auch große Preissteigerungen bemerkbar, teilweise bis zu 48 %. Aus den Gesprächen wurde deutlich, daß die Engländer uns wegen der relativ stabilen Verhältnisse in der Bundesrepublik eigentlich beneiden.
Die Gäste aus der Stimbergstadt studierten über den offiziellen Rahmen auch näher Land und Leute, sie weilten in der Zentrale der Bergbauunion Northumberland, in der Otterburn-Spinnerei, bei einem Windhundrennen, wo Bürgermeister Netta dem Besitzer des Hundes "Prince Shane" einen Pokal überreichte, und im Billy-Botto sowie im Dudley-Club.
Überall wurde ihnen Herzlichkeit entgegengebracht und allenthalben war das Streben spürbar, mit Oer-Erkenschwick in Kontakt zu bleiben. Wie sich allerdings die Partnerschaft, die ohnehin erst in den Anfängen steckte, weiterhin gestalten soll, nachdem die Stimbergstadt ein Kommunalgebilde von mehr als 200 000 Einwohnern gegenübersteht, bleibt noch offen. Vielleicht müßte man sich mehr als bisher auf Schüleraustausch, gewerkschaftliche Begegnungen und dergleichen konzentrieren.

