Stimberg Zeitung vom 16.10.1975
Zu wenig Jugendliche fuhren nach North Tyneside
Delegation aus englischer Partnerstadt / Kurs auf Familienaustausch?
Oer-Erkenschwick: Herzlich willkommen hieß man gestern im Rathaus eine Delegation aus der englischen Partnerstadt
North Tyneside, in die unsere frühere Partnerstadt Longbenton aufgegangen ist. Zu den englischen Besuchern gehörten
Mr. Rutherford, Oberbürgermeister von North Tyneside und die Fraktionsführer im dortigen Stadtparlament,
Mr. Bamborough ( Labor Party ) und Mr. Mavin ( Konservative ).

Bürgermeister Netta begrüßte die Gäste und gab seiner Freude darüber Ausdruck,
daß es durch Jimmy Bamborough, den alten Freund aus Longbenton, gelungen sei, die Partnerschaft auch auf die
größere Stadt North Tyneside zu übertragen. Heinz Netta sieht das wichtige Ziel der Partnerschaft in einer
Verstärkung des Jugendaustausches zwischen beiden Städten. Er bekundete Dank für die Aufnahme einer
Jugendgruppe aus Oer-Erkenschwick, die im vergangenen Sommer in North Tyneside war. Ohne Zweifel werde man englische Jugendliche
mit derselben Herzlichkeit in der Stimbergstadt aufnehmen. Der Eintritt Englands in die europäische Gemeinschaft
bedinge eigentlich, daß sich gerade die Jugendlichen beider Länder kennenlernen sollten.
Mr. Rutherford, Stadtoberhaupt von North Tyneside, meinte , im vergangenen Sommer seien viel zu wenig Jugendliche aus der
deutschen Partnerstadt in North Tyneside gewesen. Es hätten ruhig hundert kommen können. Mr. Rutherford möchte
die Verbindung auch auf den Austausch ganzer Familien ausgedehnt wissen. Im übrigen will er den Besuch in Oer-Erkenschwick
nicht als Vergnügungsreise betrachten, sondern als Arbeitsunternehmen. In North Tyneside kämpfe man noch sehr um die
der Wohnungsnot, obschon 30 000 Häuser im Besitz der Stadt seien. Er habe jetzt schon gesehen, daß hier der
Zustand der Wohnungen und Häuser relativ gut sei und er wolle mit seinen Stadtvertretern näher studieren, wie man hierzulande
das Problem des Wohnungsbaus bewältige.
Nach gegenseitiger Überreichung von Erinnerungsgaben wurden auch Fragen gestellt und Antworten dazu erteilt. Stadtvertreter
Ernst Saland, zugleich Betriebsratsvorsitzender von Ewald Fortsetzung, lud die englischen Gäste ein, an der
Belegschaftsversammlung der Zeche am Samstag teilzunehmen. Dort würden sie , weil nämlich das Wohnungsproblem dabei
behandelt werde, eine wesentliche Kenntnis über einen großen Teil des Wohnungswesens der Stadt Oer-Erkenschwick
erhalten.
In den nächsten Tagen werden die Besucher aus North Tyneside überdies einen Überblick durch Besichtigungen in
der gesamten Umgebung gewinnen, so durch Besuche bei der Kreissparkasse, im Ministerium für Bundesangelegenheiten, im
Naturpark Hohe Mark und in wichtigen Oer-Erkenschwicker Betrieben außerhalb des Bergbaus.

