Stimberg Zeitung vom 05.04.1978
Kochen und Werken unbedingt angenehmster Unterricht für Deutsche und Engländer
Schüler aus North Tyneside nehmen bald Abschied
Oer-Erkenschwick. Vom 20. März bis zum 6. April dauert der Aufenthalt einer Gruppe von 24 englischen Schülerinnen
und Schülern aus North Tyneside, die hier mit zwei Lehrkräften zu Gast sind, allesamt aufgenommen in Familien von
Realschülern, die vom 22. Juni bis zum 10. Juli einen Gegenbesuch in der englischen Partnerstadt machen werden. Die englischen
Gäste kamen, als schon die Osterferien angebrochen waren. So konnten sie den ersten Teil ihres Aufenthaltes mehr individuell
in ihren Gastgeberfamilien und mit ihren deutschen Schulgefährten verbringen.
So dicht gedrängt arbeiten die deutschen und englischen Mädchen in der Küche der Realschule zwar nicht, doch
für ein Foto rückten sie allesamt kurz nahe beisammen. Foto: Colneric
Mehrfach wurden währenddessen größere Fahrten gestartet, so nach Münster, an den Rhein und ins Sauerland.
Realschullehrer Seyb hatte sich trotz der Ferien bemüht, alles gut vorzubereiten. Er ging auch selbst mit den englischen
Gästen in der Umgebung spazieren, soweit sie daran interessiert waren. Am ergiebigsten müßten allerdings die
letzten Tage des Aufenthaltes sein, an denen die englischen Gäste am Unterricht der Realschule teilnehmen.
Es scheint allerdings, als ob die heimischen Schüler doch mehr Englisch lernen als umgekehrt ihre Altersgefährten
aus North Tyneside Deutsch. Vielleicht hängt dies damit zusammen, daß unsere Umgangssprache nach dem zweiten Weltkrieg
schon mehr an englischen Lehnwörtern und amerikanischen Slang aufgenommen hat, als vorher jemals zu ahnen gewesen wäre.
Und bei Engländern mag irgendwie das Gefühl bleiben, daß ihre Sprache jenes Verständigungsmittel ist, das man überall
beherrscht oder beherrschen muß.
Ganz verständlich darum, daß der gemeinsame Unterricht im Werken für die Jungen und der Kochunterricht an zwei Tagen
für deutsche und englische Mädchen der angenehmste und wohl auch der ergiebigste Teil der Schulkommunikation war.
Die Führung von Säge und Hobel ist in England und Deutschland ziemlich gleich. Und mit Hühnerfrikasse oder Kotelett
mit Erbsen und Möhren wissen Alison, Gillian, Francess, Linda und Carol aus North Tyneside ebensoviel anzufangen wie Heike,
Petra, Gisela, Anke oder Illruth aus Oer-Erkenschwick.

