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Stimberg Zeitung vom 28.04.1979

Englische Kumpel erwarten engere Verbindung

Besuch von Betriebsratsmitgliedern des Bergwerks Haard auf "Eccles Colliery"

Englische Kumpel

Ernst Saland, Walter Falk und Willi Stange aus Oer-Erkenschwick mit englischen Begleitern und Belegschaftsmitgliedern des Bergwerks "Eccles Colliery" in Backworth ( North Tyneside )

Oer-Erkenschwick. Allein der Blick auf die Besucherliste in der Heilstube von "Accles Colliery", einer Schachtanlage in North Tyneside , beweist, wer außerhalb Englands sich für die Kumpel in jenem Kohlenrevier interssiert. Lauter Deutsche , die dort ihre Namen eingetragen haben und durch die Eintragung von Ernst Saland und Walter Falk, Betriebsratsmitglied des Bergwerks Haard, wurde jene Liste noch verlängert. Beide haben allerdings schon mehrfach englische Arbeitskameraden vor Ort besucht, so daß ihnen auf "Eccles Colliery" bereits vieles vertraut war.
Die deutschen Gäste sahen sich auch die Waschkaue an, ein altes Gebäude, um etwa 1900 errichtet. Aber man hat den lang gezogenen Bau immerhin zu einer Schwarz-Weiß-Kaue umgewandelt, in der die Kleider nicht an Haken hochgezogen werden, sondern hüben und drüben in Metallschränken Verwahrung finden. Und auf der einzigen Freifläche in der Kaue steht eine Voliere, mit Kanarienvögeln -- ein rührender Anblick in dieser Umgebung harter Arbeit.
Die englischen Kumpel tragen Arbeitszeug in der Farbe wie unsere Müllwerker. Alle gehen mit dicken Knieschützern zum Schacht, denn bei der Arbeit unter Tage muß viel gekrochen werden. Die Flöze sind äußerst niedrig und die Bedienung der Schrämmaschinen, mit denen die Kohle gewonnen wird, erfordert viel Geschick. Die Kohle dort ist ausgesprochene Magerkohle, die vornehmlich in Kraftwerken verwendet wird. Ältere englische Bergarbeitersiedlungen wirken etwas bedrückend, doch die neueren Häuser für die Kumpel sind viel freundlicher. Bemerkenswert auch die Freizeitanlage für die Kumpel von "Eccles Colliery" mit einem ansehnlichen Klubhaus, dem ehemaligen Herrensitz eines früheren Großaktionärs, einem großartigen Park und ausgedehnte Rasenflächen, auf denen die Kumpel sogar Golf spielen können.
Ihr politisches Interesse bekunden sie jetzt überwiegend durch besondere Abzeichen am Arbeitszeug wie an der Freizeitkleidung: klare Aufforderung, Labour zu wählen. Die Tories scheinen unter den englischen Bergarbeitern gar keinen Anhang zu haben und wenn sie nur allein das Parlament zu wählen hätten, wäre alles längst entschieden.
Erstaunlich auch das gewerkschaftliche Interesse und die Absicht, über die Grenzen des eigenen Landes zu schauen. Die englischen Kumpel kennen vielfach Struktur und Aufbau der IG Bergbau und Energie ganz genau und einige meinen, daß im Zuge der Europäischen Gemeinschaft wohl die deutsche Bergarbeitergewerkschaft und die englischen Gewerkschaften im Bergbau die ersten sein würden, die eine einheitliche Organisation bilden.

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