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Stimberg Zeitung vom 13.11. 1981

Lesermeinung

Partnerschaft fortsetzen

Zu dem Artikel "Sportler nicht mehr nach North-Tyneside", (Stimberg Zeitung, 9. November), erreichte uns folgender Leserbrief von Friedrich Kerzig, 1. Vorsitzender des Deutsch-Englischen-Freundeskreises.
"Der DEF nimmt die Berichterstattung in der Stimberg Zeitung vom 9. November zum Anlaß auf die zweifelhaften Aussagen in diesem Artikel einzugehen: Offensichtlich scheint insbesondere die Stimberg Zeitung, vertreten durch ihre Lokalredaktion, ein besonderes Interesse daran zu finden, die Partnerschaft zwischen Oer-Erkenschwick und North-Tyneside totzureden. Es wird einmal mehr allzu deutlich wie leicht journalistische und informative Eingleisigkeit, Eindrücke und angebliche Tendenzen aufzeigen können, die einer sachlichen Prüfung nicht standhalten.


"Ende einer Partnerschaft", Konsequenzen für den DEF", "Keine Sportler mehr nach North Tyneside", "Infragestellen der Bezuschussung"", dies sind alles Plattitüden, die leichtfertig und fahrlässig die sinnvolle Arbeit eines Partnerschaftsvereins in Frage stellen. Hatte die Stimberg Zeitung in den meisten Fällen über Aktivitäten und Programme des DEF gar nicht, oder schwerfällig berichtet, so ist sie bei der Grabrede des DEF führend. Es ist ja nicht das erste Mal, daß "schlechte" Nachrichten sich besser verkaufen lassen als gute. Doch der DEF will keine weitere Polemik betreiben, sondern sachlich auf den angeführten Artikel eingehen.
1. Das Angebot des DEF im Jahr 1982 (vier Austauschgruppen) kann sich sehen lassen, ebenso das Angebot für die eigenen Mitglieder am Ort.
2. Der DEF stimmt mit dem SSV, vertreten durch Herrn Skodell, darin überein, daß die Partnerschaftsspiele auf lange Sicht wohl kaum finanziell zu tragen wären. Allerdings der angeblich gemachten Aussage, gar keine Sportler mehr nach North Tyneside , steht der DEF ablehnend gegenüber. Ein Gespräch mit dem SSV über sinnvollen Austausch wird folgen.
3. Das angebliche Schielen des DFF auf auf Zusch6uuml;sse des DEF hat sich ja bereits in der Dienstagausgabe als Meinungsmache der Stimberg Zeitung herausgestellt. Klare dementierende Aussagen von Herrn Skodell liegen vor. Konkurrenzdenken zwischen den Partnerschaftsvereinen wäre Kommunalpolitische Eingleisigkeit und zu dem auch töricht.
4. Die Quantität des Austausches mit North Tyneside ist natürlich begrenzt. Dafür biete der DEF aber qualitativ einen hohen Nutzungswert. Eine volle Woche in einer englischen Familie zu leben hat sicherlich einen höheren Bildungswert als Wochenendreisen. Die Fülle wachsender tiefer Kontakte nach North-Tyneside beweist dies.
5. Kommunikation mit dem Partnerschaftsverein in North Tyneside sind mittlerweile so gut koordiniert, daß mit einem weiteren Ausbau der Beziehungen zu rechnen ist.
6. Sollte Oer-Erkenschwick diese Partnerschaft nicht wollen oder tragen können, geht der DEF davon aus, dies als erster zu erfahren. All denen, die an dieser Verbindung desinteressiert oder kritisch gegenüberstehen sei gesagt, daß Kontakte zu anderen Nationen friedenspolitische Effizenz zeigen. Menschen nach North-Tyneside zu schicken, hat wohl seinen Preis, für Verständigung und Frieden sollten wir aber bereit sein einen Preis zu zahlen.
7. Zuschußkürzungen an den DEF kann dieser nur insofern als gerechtfertigt betrachten, wenn der Betrag sich auf die nun ausfallenden Partnerschaftsspiele beschränkt.

Der DEF empfiehlt der Lokalredaktion der Stimberg Zeitung künftig genauer zu recherchieren, falsche Meinungsbildung nicht zu unterstützen und dem attraktiven, aber unrichtigen Artikel, die weniger auffallende Information entgegenzusetzen.

Anm.d.Redaktion: Obwohl Friedrich Kerzig die Einleitung seines Briefes indirekt als Polemik bezichnet, haben wir uns entschlossen, ihn ungekürzt wiederzugeben. Richtigzustellen ist jedoch, daß nicht die Stimberg Zeitung, sondern der Stadtsportverbandsvorsitzende definitiv erklärt hat, daß keine Sportler mehr nach North-Tyneside fahren, daß nicht die Stimberg Zeitung die Bezuschussung für den Deutsch-Englischen Freundeskreis infragegestellt hat, sondern (siehe Bericht an anderer Stelle ^dieser Ausgabe) sich die SPD-Fraktion für eine Kürzung des Zuschusses von bisher 15 000 Mark auf 8000 Mark ausgesprochen hat. Die Stimberg Zeitung hält es ihren Lesern gegenüber allerdings für ihre journalistische Pflicht, aus diesen Erkenntnissen heraus, auf die eventuellen Konsequenzen für die Partnerschaft mit North-Tyneside hinzuweisen.

Jimmy Bamborough fürchtet
um Selbstverwaltung

OER-ERKENSCHWICK. Das Land Nordhrhein-Westfalen plant, die Zuweisungen an die Gemeinden von 28,5 Prozent auf 26,5 Prozent des Steueraufkommens zu senken. Für Oer-Erkenschwick könnte dies eine Mindereinnahme von 800 000 Mark und amit sicherlich eine Einschränkung von politischen Gestaltungsmöglichkeiten bedeuten. Eine Situation, mit der Politiker und Bürger kaum zufrieden sein dürften.

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant, daß in anderen Ländern noch wesentlich größere Probleme herrschen. So in England, wo die Regierung die Finanzhoheit der Gemeinden völlig so beschneiden will, daß von kommunaler Selbstverwaltung kaum noch etwas übrigbleibt. Dagegen wehrt sich jetzt auch der Ratvorsteher der Oer-Erkenschwicker Partnerstadt North Tyneside, Jim Bamborough, der in einem Artikel des "North-Tyneside-Citizen" schreibt: "Ein Rat ohne Finanzhoheit ist ein Rat ohne Macht." Bamboroughs Zeilen sind ein Plädoyer für die kommunale Selbstverwaltung, wie es sie auch in Oer-Erkenschwick gibt.
"Falls die Regierung in Whitehall", so argumentiert Bamborough, "mehr Einfluß bekommt, können wir nicht mehr nach den Erfordernissen der Kommune entscheiden, wir müssen dan das tun, was Whitehall diktiert."
Zwar würde auch über Lokalpolitik des öfteren geklagt, gibt Bamborough zu, nur "wer laut genug klagt, hat in der Kommune eine Chancxe, sich Gehör zu verschaffen.
Dies liege, so der Ratsherr aus der Partnerstadt, daran, daß im Rat Bürger der Stadt säßen, die mit den Problemen ihrer Mitbürger vertraut seien. "Wenn aber Whitehall", so Bamboroúgh wörtlich, "seine Finger nach der Kommune ausstreckt, ist dies das Ende der kommunalen Selbstverwaltung. Whitehall wird dann Fäden ziehen. Wir sind nur noch Marionetten"!
Er macht schließlich klar, daß seine Stellungnahme keine Parteipolitik sei: "Ich bin sicher, jede Partei wird sich dem Trend der Zentralisation widersetzen!" Schließlich warnt Bamborough mit dem Blick auf 1984: "Wir sind noch eine Weile davon entfernt, aber "Big Brother" hat bereits ein Auge auf uns geworfen."

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