Stimberg Zeitung vom 17.11. 1981
Partnerschaftsbeziehung
Oer-Erkenschwick. Die Beziehungen der Stadt Oer-Erkenschwick mit der englischen Partnerstadt North Tyneside sind der Inhalt zweier Briefe, die jetzt zwischen dem Vorsitzenden des Deutsch-Englischen-Freundeskreises (DEF), Friedrich Kerzig und Bürgermeister Heinz Netta gewechselt wurden. Die Stimberg Zeitung veröffentlicht beide Briefe ungekürzt. Zunächst das Schreiben des Freundeskreises, anschließend Heinz Nettas Antwort.
Eindeutige Stellungnahme
Die Absage der Partnerschaftsspiele, die wir aus der Presse entnehmen mußten, als auch die Berichterstattung der lokalen Presse, die von einer beabsichtigten Einstellung oder gar Kündigung der Partnerschaft sprach, veranlaßt mich in einem offenen Brief diese Problematik aufzugreifen und und Sie um ein klärendes Wort zu bitten.
Mit Befremden und Unverständnis haben wir von der Absage der Partnerschaftsspiele aus dritter Hand gehört. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, auch der DEF hätte einer Dreierbeziehung OE, North Tyneside und Halluin auf Dauer wenig Chancen gegeben. Die Tatsache aber, daß von Oer-Erkenschwicker Seite, nach verständlicher Absage der Franzosen, die sich keine neue Partnerstadt leisten wollen, dieser Tatbestand dazu benutzt wurde, ebenfalls die Spiele abzusagen, ist uns unerklärlich.
In NT sind alle Vorbereitungen für diese Spiele getroffen, eine Menge an Organisation geleistet und viel an Einsatz vorgestreckt worden. Die lapidare Absage nun dürfte die Organisatoren dieser Spiele arg treffen und der partnerschaftlichen Verbindung abträglich sein. Der DEF wendet sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß Institutionen (in diesem Fall der SSV) Verpflichtungen eingehen und sie ohne Rücksprache mit der dafür verantwortlichen Organisation (DEF) nicht einhalten.
Das Vorgehen in diesem Fall läßt viele Vermutungen zu. Eine hat die Presse geäußert. Einstellung der Partnerschaft mit North-Tyneside aus Kostengründen. Sollte dies die Meinung der Stadt sein, dann muß die Stadtvertretung auch ein klares Wort sprechen. Mit Stolz und mit Selbstvertrauen kann der DEF von sich behaupten, in kurzer Zeit vieles an Kontakten nach North Tyneside aufgebaut zu haben. Mitgliederzahl, der dortige Freundeskreis und das wachsende Programm beweisen dies eindeutig. Quantitativ muß unser Austauschprogramm hinter dem des DFF aus Kostengründen zurückbleiben. Qualitativ hat unser Wochenaustauschsystem unübersehbare Vorteile.
Wir erwarten von Ihnen, Herr Natta, eine Stellungnahme, ob Sie, als auch die entscheidungsgebende Fraktion hinter der Partnerschaft mit North Tyneside stehen oder nicht. Ohne diese Klärung wäre jede weitere Arbeit für uns sinnlos. Ich bitte Sie auch darauf hinzuwirken, daß, wie bereits erwähnt, Vereine oder Institutionen, die Verpflichtungen nach North Tyneside übernommen haben, angehalten werden, diese auch als verbindlich zu betrachten. Die Absage dieser Spiele in dieser Form war partnerschaftliche Taktlosigkeit.
Verdrehte Tatsachen
Heinz Netta antwortet: "Ihren offenen und nach meiner Auffassung nicht den Tatsachen entsprechenden Brief vom 12.11. 1981 habe ich heute erhalten. Sie gehen in Ihrem offenen Brief davon aus, daß die Partnerschaftsspiele in der englischen Stadt North Tyneside 1982 nicht stattfinden werden.
Diese Partnerschaftsspiele sind weder vom Rat noch von der Verwaltung der Stadt Oer-Erkenschwick ins Leben gerufen worden. Als Bürgermeister der Stadt Oer-Erkenschwick habe ich die Bedenken, die aus Kostengründen von unseren Partnern aus Halluin/Franlreich wie aber auch von Ratsmitgliedern aus North Tyneside vorgetragen worden sind, zu respektieren. Die in Ihrem Schreiben geäußerte Unterstellung, daß die Stadt Oer-Erkenschwick die Partnerschaft mit North Tyneside nicht aufrecht erhalten will, ist Ihre Version; - sie ist von uns nicht gemacht worden!
Im übrigen darf ich für die Stadt Oer-Erkenschwick in Anspruch nehmen, daß der Deutsch-Englische-Freundeskreis durch die Stadt bisher jede Unterstützung erfahren hat. Auch wurden die Besuche in England aber auch die Besuche aus North Tyneside in Oer-Erkenschwick bisher von der Stadt entsprechend bezuschußt. Wenn für das Jahr 1982 als Zuschuß 8000 Mark vorgesehen sind, dann bedeutet das gegenüber dem Zuschuß von 1981 ein Mehr von 4500 Mark.
Sicherlich dürfte Ihnen bekannt sein, daß die finanzielle Situation der Städte in Frankreich und England noch viel schlechter ist als bei uns. Wenn trotzdem in Zukunft die deutsch-englischen Begegnungen von der Stadt höher bezuschußt werden sollen als bisher, ist das eine respektable Leistung, die, falls die Stadtvertretung so beschließt, anerkannt werden sollte. Ich bedaure außerordentlich, daß Sie in einem offenen Brief mit verdrehten Tatsachen und falschen Behauptungen mit mir als Stadtoberhaupt so umgehen.
Im übrigen habe ich aus Kostengründen bisher mehrere Einladungen in den letzten zwei Jahren aus North Tyneside abgelehnt. Allerdings werde ich nunmehr mit einer kleineren Delegation, nachdem ja die Mitglieder des Deutsch-Englischen-Freundeskreises mehrfach in North Tyneside waren, voraussichtlich im Mai 1982 über die weiteren Beziehungen und Begegnungen der Partnerschaft mit unseren Freunden sprechen.
Ich habe mir erlaubt, Ihr Schreiben sowie mein Antwortschreiben den Fraktionen sowie der Stadtverwaltung zur Verfügung zu stellen.

