WAZ vom 28.05. 1982
Briten besuchen waz-Redaktion
"Wir werfen keine Mützen in die Luft"
Thema Falkland begleitet Delegation bei ihrem Aufenthalt in der Stimbergstadt
OER-ERKENSCHWICK. "Wir sind hier zu Besuch und freuen uns über die ausgesprochen herzliche Gastfreundschaft der Oer-Erkenschwicker." Klare Worte, die John Brown, Schulleiter und Leiter der Delegation von 30 Schülern, der noch bis zum Sonntag in der Stimbergstadt weilt, ausspricht. Dennoch, an einem Thema kommen die Briten nicht vorbei und der Besuch erhält für viele Erkenschwicker, die mit den jungen Leuten in Kontakt kommen, eine besondere Note.
Die Rede ist vom Krieg um die Falklandinseln, wo sich Briten und Argentinische Soldaten feuerbereit gegenü,berstehen und es täglich Tote und Verletzte zu beklagen gibt. In der waz-Redaktion waren acht Briten zu Gast, die offen ihre Meinung sagten und ihre Ängste und Sorgen vortrugen.
Jeder von ihnen hat Freunde, Bekannte oder ehemalige Schulkameraden, bei der kämpfenden Truppe und alle finden es schrecklich, daß Menschen sterben müssen. Erick Shields, Lektor der Fachschule: "Keiner von uns ist froh, wir haben keine Kriegsfreude", weist er derartige Unterstellungen weit von sich. John Brown, der einen Sohn in Berlin beim Militär hat, sieht jedoch durch die Besetzung der Inseln durch Argentinien demokratische Prinzipien in Gefahr, für die es sich lohnt zu kämpfen und will damit die Interessen der demokratischen Welt hinter sich wissen. Ähnliche Position vertritt auch Bill Madisson, Fachleiter der Ingenieur-Abteilung und überzeugter Christ: "Es ist bitter, daß dort Menschen ihr Leben lassen. Doch sehe ich auch keine andere Möglichkeit, es anders zu machen. Nur reden bringt nichts. Was würden wohl die Deutschen machen, wenn es Westberlin wäre?"
Trotz der festen Überzeugung richtig zu handeln, sitzt die Betroffenheit über die Vorgänge im Atlantik tief.
Trotz tiefer Betroffenheit;
Gewalt ist gerechtfertigt
Paul Thomsen, Schüler, beschreibt die Stimmung in seiner Klasse als die Nachricht vom Untergang des argentinischen Schlachtschiffes Belgrano und der britischen Sheffield kam: "Es war mucksmäuschen still in dem Raum. Es war ein Gefühl, das man schlecht beschreiben kann. Es war nicht das gleiche, was man nach einer Naturkatastrophe oder einem Unglück fühlt."
Auch das tägliche Leben hat sich für die Briten geändert. In den Kneipen wird es schlagartig ruhig, wenn die Nachrichten kommen, die Menschen stehen auf der Straße und diskutieren.
ZU BESUCH in der waz-Redaktion: Briten aus der Partnerstadt North-Tyneside mit Peter Eisele (links), Sprecher des DEF.
So tief die Betroffenheit auch stecken mag, die Vorgehensweise der Regierung wird gebilligt. Erick Shields: "Wir werfen aber nicht die Mützen hoch, wenn Erfolgsmeldungen kommen". Und Paul Thomsen, der ein Jahr bei der Marine diente, würde auch die Waffen in die Hand nehmen: "Alle meine früheren Kameraden sind im Atlantik und ich habe so das Gefühl, daß ich bei ihnen sein müßte". Paul Young, Schüler, "würde sich zwar nicht freiwillig melden, aber wenn er gerufen wird."
Entschieden gegen den Krieg wandte sich der Ingenieur-Schüler Bill Wallis, der sich selbst als Pazifist bezeichnet: "Ich glaube, wenn man die einzelnen Soldaten fragt, ob sie mit dem Krieg einverstanden sind, dabei meine ich auch die Argentinier, würden sie ihn ablehnen. Aber beim Militär entscheiden nur wenige Leute und der einzelne wird nicht gefragt".
Keine Meinung zu dem Konflikt haben Carol Fobes und Susan Richerdsen, die sich bisher nicht um Politik gekümmert haben: "Wir sind gerade dabei, uns zu informieren".
Bill Madisson, der von der guten Sache überzeugt ist und nicht als Kriegstreiber gelten will, setzt wie seine Landsleute auf den Erfolg der Verhandlungen und hofft auf ein schnelles Ende des Krieges.

