Stimberg Zeitung vom 09.07. 1984
Von Klassik bis zur Moderne
Tradition und Gegenwart prägen gleichermaßen dem Stil des von Eric Gassner geleiteten Longbenton High School Chors mit Orchester, der zum Abschluß seines längeren Aufenthalts in der Stimbergstadt ein Konzert in der gut besuchten Stadthalle gab. Wenn man bedenkt, daß Georg Friedrich Händel, der überragende Musikmeister des Barocks, für England eigentlich noch mehr bedeutet als für Deutschland, dann wird offenbar, aus welchen Untergrund sich das ursprüngliche Tonempfinden hierzulande wie auch auf der großen Insel jenseits des Ärmelkanals nährt. Dies gilt, obwohl von Händel diesmal nichts zu hören war, sondern lediglich von einem seiner berühmtesten Vorgänger in der englischen Musik, nämlich von Henry Purcell, der bereits starb, als Händel erst zehn Jahre alt war. Purcell hat mit dazu beigetragen, daß das Chorwesen und die Freude an der Mehrstimmtgkeit in England früher und intensiver gepflegt wurden als in anderen Völkern.
Ein Trio (Klarinette, Querflöte, Cello) eröffnete mit einem Rondo dieses Komponisten das Programm, nachdem der stellvertretende Bürgermeister Christmann ein kurzes, aber sehr herzliches Grußwort gesprochen hatte. Instrumentaldarbietungen hörte man daraufhin ebenso häufig wie Chorgesang. Entweder spielte das Orchester, etwa zehnköpfig, je zur Hälfte Jungen und Mädchen, oder es ging im Solo, Duo, Trio oder Quartett weiter. Eric Gassner begleitete dabei zumeist am Flügel und zuletzt an einer Art Hammondorgel. Trompeten, Flöten, Klarinetten, Saxophon sowie Cello und Gitarre ergaben ein vielfältiges Melodiengefüge, einmal idyllisch munter, dann hämmernd und fanfarenhaft, schließlich "fetzig", wie es neuerdings im Jugendjargon heißt, mitunter auch sehr subtil, anschließend wieder spröde oder kapriziös, so in einigen Jazzpassagen des Wind-Quartetts.
In "Summertime" von Gershwin, von dem auch die Neger-Oper "Porgy and Bess" stammt, stand vor dem Chor von etwa 25 Stimmen die junge Blondine Aananda Powell als Solistin, die mit einem klaren, modulationsfähigen Sopran erfreute. Leider erlitt dieses Girl in der-Pause einen Schwächeanfall, der eine Einlieferung ins Krankenhaus notwendig machte. In einer weiteren Partie, in der ihr ebenfalls ein Solo zugedacht war, mußte sie daher ausfallen. Beim Finale des Chores war sie allerdings wieder da, noch ein wenig schwach und den Tränen nahe, aber doch wieder fähig miteinzustimmen.
Drei Jungen, die ein Trompeten-Trio vortrugen, hatten dummerweise ihre richtigen Noten abhanden kommen lassen. In letzter Minute konnten sie sich in der heimischen Kreishauptstadt andere Notenstücke ähnlicher Art verschaffen, die sie in groBer Eile einzustudieren vermochten. Hätte der Dirigent nicht zuvor auf ihr Mißgeschick aufmerksam gemacht, wäre es kaum einem Besucher aufgefallen.
Zum Ende des ersten Teils gab überdies Heinz Gregel, der heimische Dirigent mehrerer Chöre, einmal mehr einige Proben seines stimmlichen Vermögens. Er sang das vielbekannte Wolga-Lied, in dem sich die Schwermütigkeit der russischen Seele enthüllt, und außerdem "Granada" mit dem südländischen Rhythmus, in dem man jeweils die Kastagnetten mitzuvernehmen meinte. Apropos, Kastagnetten! Bei der Programmnummer "Alexandra Kalypso" bat Eric Gassner drei Vorstandsmitglieder des Deutsch-Englischen Freundeskreises auf die Bühne, um mit kastagniettenartigem Beiwerk oder Tamburin mitzumachen - eine Aufgabe, der sich besonders Friedrich Kerzig, der 1. Vorsitzende des Freundeskreises, mit Bravour entledigte. Kein Wunder übrigens bei seiner sonstigen Musikerfahrung.
In einem Cello-Solo zu Motiven von Saint Saens führte Katie Parry den Bogen gewiß zu zaghaft, oder aber jener Mitschüler, der sie statt Eric Gassner am Flügel begleitete, schlug die Tasten zu energisch an. Jedenfalls war das Cello kaum zu hören, und manche romantische Färbung der Komposition ging dabei verloren.
Der Chor, anfangs in seinem stimmlichen Volumen zu verhalten wirkend, lief schließlich im Finale ganz groß auf. Das Lied "Yellow Bird" war den Jungen und Mädchen aus dem Nordosten Englands, nahe der schottischen Grenze, wie auf den Leib geschrieben, Da erklangen Töne der Volkstümlichkeit, die zu Herzen geht, ganz besonders den älteren Menschen, die bei solchen Klängen Erinnerungen an die eigene Kindheit verspüren, als Wanderlust und Blütenpracht noch aus voller Brust gepriesen wurden.
Danach übermittelt Peter Eisele, Leiter der Volkshochschule und Geschäftsführer des Deutsch-Englischen Freundeskreises, den Dank der englischen Gäste, die nun schon zum zweiten Male nach Oer-Erkenschwick gekommen sind, hier sich sehr wohlgefühlt haben, sich besonders ihren Gasteltern verbunden fühlen und gern wiederkommen möchten. Da die Chormitglieder durchweg mit 18 Jahren abgehen, würden nächstens allerdings viele neue Gesichter auftauchen. Doch das liegt eben in der Sache des Jugendaustausches und ist auch wohl gut so. Rudolf Colneric
Auch BSG Barfuss schaltet sich
bald in Partnerschaft ein
DEF-Vorsitzender Friedrich Kerzig: "Interesse an der deutsch-englischen Partnerschaft wächst."
Im nächsten Jahr kommt "Kaleidoscope" - Würstchen und Bier zum Abschluß
OER-ERKENSCHWICK. (jwd) Ungewohnte Lieder waren am Samstag in der Innenstadt zu hören. Die Jungen und Mädchen des Longbenton High School Chors stimmten dort mit englischen Gesängen die Passanten auf ihr Abschlußkonzert am gleichen Abend in der Stadthalle ein. Der Deutsch-Englische Freundeskreis (DEF) hatte sich zum Abschluß des Besuches der Gäste aus der Partnerstadt North Tyneside eine Menge einfallen lassen.
Vor dem Gardinenhaus Kähning boten nicht nur die jungen Sängerinnen und Sänger einige Kostproben ihres Könnens, sondern auch die Musiker der Bergwerkskapelle Haard. Weiterhin hatten die DEF-Organisatoren neben einem Glücksrad und einer reichhaltigen Tombola auch einen Bier- und Würstchenstand aufgebaut. Die englischen Gäste wechselten sich im Programm mit den Bergwerksmusikern ab.
Unterstützt wurden die Sängerinnen und Sänger des Longbenton-High-School-Chores von den Musikern der Bergwerkskapelle Haard. Beide wechselten sich mit ihren Auftritten ab. Fotos (2): Wendland
Die Kapelle des Bergwerks Haard spielte übrigens für den DEF kostenlos. Vorsitzender Friedrich Kerzig ließ dann auch ein wenig auf die geplanten Aktivitäten in diesem sowie im nächsten Jahr blicken. Im Herbst wird eine Gruppe des DEF und des SV Neptun die englische Partnerstadt besuchen.
Im nächsten Jahr wird wahrscheinlich auch die Betriebsfußballmannschaft der Fleischwarenfabrik Barfuß einen Trip auf die Insel unternehmen. Kerzig im Gespräch mit der Stimberg Zeitung: "Es ist erfreulich, daß das Interesse an der deutsch-englischen Partnerschaft weiter wächst. Wir zählen mittlerweile 125 Mitglieder. Wahrscheinlich wird sich neben Barfuß auch der TuS 09 demnächst an der Partnerschaft beteiligen."
Während in diesem jahr keine Gruppe mehr aus North Tyneside erwartet wird, sollen im nächsten Jahr die Tänzer und Tänzerinnen der Gruppe "Kaleidoscope" die Stimbergstadt besuchen.

