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Stimberg Zeitung vom 13.11. 1984

DEF will nun für die englischen
"Miners" mit der Büchse sammeln

Netta erhält anonymen Brief /Attacke gegen Scargill

0er-Erkenschwick (-hjb-). Anonym flatterte jetzt Bürgermeister Heinz Netta eine Anzeige aus dem "Sunday Mirror" mit der Überschrift "Haben die Bergarbeiter immer noch einen Grund zu streiken?" (Übersetzung der Redaktion) auf den Tisch. Am Rand ein handgeschriebener Kommentar, in dem der Leiter der Gewerkschaft "National Union of Miners", Scargill, heftig attackiert wird.

Bekanntlich hatten Netta und die SPD-Fraktion während eines privaten Besuchs in North Tyneside mit Gewerkschaftsexperten gesprochen. Dabei wurde ihnen dargelegt, daß in England Solidarität in Sachen Bergarbeiterstreik existiert. Mit dem anonymen "Brief" wollte der unbekannte Schreiber nun wohl darauf aufmerksam machen, daß es durchaus auch "miners" gibt, die arbeiten wollen. Netta: "Ich sehe keinen Grund, auf diesen Brief zu reagieren."

Mitglieder des DeUtsch-Englischen-Freundeskreises haben während ihres Aufenthaltes in den Herbstferien in North Tyneside da allerdings ganz andere Erfahrungen gemacht, wie jetzt der Geschäftsführer des DEF, Peter Eisele, auf Anfrage bestätigte. Eisele: "Man spürt ganz deutlich, daß nicht nur die übergroße Mehrheit der Bergarbeiter fest zusammensteht, sondern vor allen Dingen auch kaum jemand an den Sammelbüchsen der Bergarbeiter vorbei geht, ohne zumindest ein kleines Geldstück eingeworfen zu haben, wie wir besonders bei einem Besuch in der Universitätsstadt Durham feststellen konnten. Darum haben wir auch im Vorstand des DEF aufgrund dieser Erfahrungen eine Sammelaktion für die englischen Bergarbeiter in Erwägung gezogen.

Voraussichtlich wird der DEF diese Sammelaktion im Rahmen des Nikolausmarktes hinter der Stadthalle und des von der Oer-Erkenschwicker Werbegemeinschaft veranstalteten Weihnachts- marktes durchführen."

Lesen Sie auch "Zwischenruf".

ZWISCHENRUF

Der englische Bergarbeiterstreik geht nun in den neunten Monat, aber trotz aller Kommunikationsnetze, die unsere Welt umspannen, fällt uns ein Urteil zu diesem Arbeitskampf sehr schwer. Wir sind zu weit vom Schuß, wir wissen nicht, ob hier ein politischer Streik Margret Thatcher aus dem Sattel heben soll, oder ob die Regierung zum Halali auf die Kohlengruben und die Bergbauwerkschaft geblasen hat. Die Wahrheit wird, wie so oft, irgendwo in der Mitte liegen. Eins aber wissen wir ganz genau: die Leittragenden der Auseinandersetzung sind die Familien der Streikenden. Wer's nicht wußte, dem wurde es vor einem Monat vor Augen geführt, als etwa 20 englische Kinder aus dem bestreikten Gebiet, für einen Abend lang Gäste im IGBE-Heim an der Stimbergstraße waren. Ihnen zu helfen kann nie falsch sein, weil es menschlich ist. Es bedeutet keine Parteinahme, und deshalb sollte der Deutsch-Englische Freundeskreis seine Spendenaktion für die englischen Bergarbeiterfamilien durchführen. eberhard scholz

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