Stimberg Zeitung vom 26.01.1987
Musikalischer Streifzug enthült englisches Fühlen
Longbenton High-School-Chor mit großer Palette / Folklore fand in der Stadthalle herzlichen Beifall / Mit Schottland und Irland
Oer-Erkenschwick. Kaum 24 Stunden nach seiner Ankunft gab der Longbenton-High-School Choir, der im Rahmen der
Städtepartnerschaft Oer-Erkenschwick / North Tyneside wieder einmal am Stimberg weilt, ein Konzert in der Stadthalle,
bei dem englische Folklore in großer Spannweite zu Gehör kam. Zuhörer waren nicht nur Gastfamilien, die
englische Schüler aufgenommen haben, sondern auch viele andere Musikfreunde. Chorleiter Eric Gassner dankte für den
verhältnismäßig regen Besuch und verwies auf den vorangegangenen Trip des Chores unseres Gymnasiums in
North Tyneside. Es sei zu hoffen, daß sich aus den gegenseitigen Besuchen eine dauerhafte Verbindung der Schulen
hüben wie drüben ergäbe. VHS-Leiter Peter Eisele, der zuvor im Namen der Volkshochschule und des
Deutsch-Englischen-Freundeskreises begrüßt hatte, gab hernach zu jedem musikalischen Auftritt eine kurze
Erläuterung über die anstehenden Lieder oder Instrumentalstücke. Alles in allem ein ausgedehnter Streifzug
durch die englische Folklore, wobei Schottland, Wales und Irland eingeschlossen waren.
Zum Auftakt hörte man die flotte Weise eines kleinen Orchesters, dirigiert von der Lehrerin Andrea Nesbitt, die Eric Gassner
mit ihrem Kollegen Mike Fowlds in der Durchführung des Programms unterstützte. Das Orchesterstück, bei dem Klarinetten,
Querflöten, Trompeten und Geigen erklangen, ist ein Arrangement, mit dem einst die vier Beatles als "four ordinary boys" aus
Liverpool durch die Welt begannen. Danach einige Partien in Chorgsang: Ein schottischer Tanz, forsch geschmettert, aber durch
die sich überlagernden Tonfolgen recht schwierig, eine Fischermelodie aus Northumbria, gefühlvoll und romantisch, ein
Song über die Straßen von London, schon weithin als Pop-Darbietung bekannt geworden, hier nun eine rührend und
innig klingende Instrumental-Intepretation.
Bei einem Liebeslied mit Betrachtung der Themse, ähnlich wie früher bei uns mit Romantisierung des Rheins,
wurde die Orchesterdarbietung etwas differenzierter insofern, als Andrea Nesbitt dabei den Geigenbogen etwas ruhen
ließ und ein Solo dazu sang, mit einer zarten Stimme erfreuend, die in Harmonie zu spärenhaft anmutenden
Flötentönen verschmolz.

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Nach einem weiteren Chorlied in gälischer Sprache, die nur noch ein wenig in Wales, Irland und Schottland gesprochen
wird, hatte Eric Gassner in einem etwas grotesken Bänkelsong über einen kleinen Jungen, der eine Murmel sucht
und letzttlich dafür Häuser mit Pulver sprengt,seinen komischen Auftritt. Mit Schottenmütze, dickem schwarz
weißem Schal und umgekrempelten Hosenbeinen sang er die schreckliche Morität augenrollend und mit martialischer
Gebärde. Gassner kam später noch einmal so ähnlich zum Zuge und zwar in einer Melodie, die sich im einen
Kerl rankt, der im Bett nicht die Füße ruhig halten kann und damit einen anderen neben ihm dauernd in angenehmen Träumen stört.
Auch Andrea Nesbitt konnte noch einmal gesondert glänzen in einem irischen Lied "Lannigan's Ball", eine Parodie über
simple Amüsiersucht, wobei die Solistin durch ungemeine Zungenfertigkeit verblüffte, während ein kleiner Chor das Echo dazu lieferte.
Die weiteren Chordarbietungen von denen vor allem ein Mädchenlied hervorzuheben ist, weil auf eine sehr spitzbübische Art
interpretiert, waren ähnlich wie bekannte deutsche Volksweisen. Man spürte dabei, wie sehr das musikalische
Empfinden des deutschen und englischen Volkes in gewisser Weise übereinstimmt.
Ein wesentlich anderer Geist kam durch einige jeweils kürzere Instrumentalvorträge in das Konzert, durch Streicher-
oder Bläserspiel in der Form von Kanons. Zu erwähnen in dieser Sparte auch der kleine David, ein Junge, 13- oder 14jährig,
der sich recht tapfer mit dem Dudelsack bemühte, mit einer besonderen Art jenes aus Schottland bekannten Instrumentes,
wie man es in Northumbria, der Heimat des Longbenton-Chores kennt.
Eric Gassner und Andrea Nesbitt zeigten sich zuletzt noch als Duo, wobei sie sich als versierte Violinistin erwies, während er sie
am Flügel einfühlsam begleitete. Im Finale dann mehrer Jazz-Stücke für Trompeten und Saxophone die so etwas wie
Disco Stimmung brachte. Natürlich ging es nach dem reichen Beifall nicht ohne Zugaben ab. Und vom Deutsch-Englischen-Freundeskreis
verteilten hernach Marlies Gabriel sowie Friedrich und Angelika Kerzig Erinnerungsgaben an die etwa 40 mitwirkenden Schülerinnen
und Schüler, darunter eine 12jährige, in der Mehrzahl aber herangereifte Teenager. Der Erfolg war für alle eine
zu den weiteren Veranstaltungen die noch fällig sind, so ium heimischen Gymnasium und im AWO-Heim .
Rudolf Colneric

