Stimberg Zeitung vom 30.05.1989
Angeklagter bestreitet Schlägerei: Gericht benötigt weitere Zeugen
Aussagen von Gastwirt und DEF-Mitgliedern widersprechen sich / Fortsetzung
Oer-Erkenschwick ( sa ). Noch immer im dunkeln tappt das Schöffengericht am Amtsgericht Recklinghausen
im Fall Jürgen Schn. aus Oer-Erkenschwick. Der kaufmännische Angestellte wird beschuldigt, im Mai
1988 nach dem Frühlingsfest des Deutsch-Englischen-Freundeskreises im "Giebelhof" dessen ehemaligen
Vorsitzenden Friedrich K. zusammengeschlagen und ihm eine Geldbörse mit 50 Mark Inhalt geraubt zu haben ( wir berichteten ).
Bereits beim ersten Verhandlungstermin standen Zeugenaussagen gegen Zeugenaussagen. Die Ehefrau des Angeklagten und ein befreundetes
Ehepaar hatten im Zeugenstand behauptet, der 46 jährige Angeklagte hätte zum Tatzeitpunkt und auch nachher mit ihnen an der Theke
gestanden. Ganz anders dagegen der Niedergeschlagene und seine Ehefrau, die beide in Jürgen Schn. den Schläger erkannt
haben wollen.
Gestern nun wurden drei weitere Zeugen gehört. Der Wirt der Oerer Gaststätte Jochen F., erklärte im Zeugenstand,
daß er zwar nicht wisse, ob der Angeklagte nun zum Tatzeitpunkt im Schankraum gewesen sei ( "Ich habe ja nicht jeden Gast im Auge" ),
aber später habe er ihn dort mit seiner Gattin und einem ihm bekannten Ehepaar stehen sehen. Auch konnte sich
Jochen F. noch daran erinnern, daß der Vater des Geschädigten kurz nach dem Vorfall in der Gaststätte Jürgen Schn.
gesehen und mit dem Finger auf ihn gezeigt habe. Dabei soll der Vater gerufen haben: "Da sitzt er der Schweinehund"! Eine Aussage , die
der Vater gestern energisch bestritt. "Ich bin doch extra noch einmal in die Gaststätte gegangen, um Jürgen
Schn. zu suchen. Der war nicht da", erklärte der Vater.
Diese Version bestätigten auch zwei weitere DEF-Mitglieder, die gestern als Zeugen vernommen wurden. Klaus P. erklärte,
daß er mit dem Vater von Friedrich K. noch einmal in die Gaststätte nach Jürgen Schn. gesucht, ihn aber nicht gefunden
hätte. Auch Gerhard H., der nach eigenen Aussagen die Wirtin veranlaßt hatte, Polizei und Notarzt zu rufen, hatte den Angeklagten
im Schankraum nicht gesehen. "Da waren höchstens zwei Personen. Ich habe mich schon gewundert, daß es so leer ist",
meinte er und nannte auch den Namen einer Zeugin, die sich in der Gaststätte befunden hatte.
Die Wirtin, die neu aufgetauchte Zeugin und die beiden Polizeibeamten, die angeblich ebenfalls in der Gaststätte nach dem
Angeklagte geschaut haben sollen, werden nun am Donnerstag, 1. Juni, um 12 Uhr vor dem Schöffengericht gehört.

