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Stimberg Zeitung vom 12.10.1992

Partnerschaft auf der Kippe

North Tyneside fehlen 16 bis 20 Mio. Pfund
Keine Gegeneinladung mehr

OER-ERKENSCHWICK. (scho.) Die Queen in Deutschland. König Elisabeth und der Bundespräsident beschworen die freundschaftliche Verbundenheit beider Nationen und hoben auch die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Briten und Deutschen hervor. Aber große Reden erfassen selten die Probleme im Detail. Daß beispielsweise in der Partnerschaft zwischen Oer-Erkenschwick und North Tyneside nicht alles stimmt, ist schon lange nicht mehr zu übersehen.

Der Deutsch-Englische Freundeskreis müht sich redlich, die Menschen aus der englischen Großstadt und der kleinsten Stadt des Ruhrgebiets zusammenzubringen. Und das trotz der objektiven Schwierigkeit des langen, strapaziösen und damit auch teuren Anreiseweges in den Norden der britischen Insel. Das gilt natürlich auch in der anderen Richtung. Und an der Mündung des Tyne sind die Menschen in aller Regel finanziell nicht so gut gebettet wie die am Stimberg.

Die 250000-Einwohner-Stadt an der schottischen Grenze steckt mittlerweile nicht nur in einer Struktur-, sondern auch in einer Finanzkrise nie dagewesenen Ausmaßes. 16 bis 20 Mio. Pfund Sterling muß die Gemeinde einsparen --- 1000 Arbeitsstellen stehen allein in der Verwaltung auf der Kippe. Auch die von Pressereferent Gordon Chester, von dem die Stirnberg Zeitung gestern diese Zahlen erfuhr.

Und diese Zahlen waren auch Chesters Antwort auf die Frage, weshalb bisher keine Einladung aus North Tyneside für den Bürgermeister der Stadt Oer-Erkenschwick vorliegt Während der 20jährigen Partnerschaft nämlich war es bisher Brauch, daß sich die städtischen Repräsentanten im jährlichen Wechsel besuchten. 1991 waren der damalige "Mayor" in Oer-Erkenschwick, und sein Nachfolger war Gast bei den Spielen der Freundschaft im Stimbergstadion. Eine Gegeneinladung steht bis dato aus. Dazu Bürgermeister Clemens Peick: „Die Probleme in England sind mir bekannt. Ich habe aber den Eindruck, daß unsere englischen Freunde nicht nur aus finanziellen Gründen die Partnerschaft in eine normale Freundschaft übergehen lassen wollen. Ich persönlich akzeptiere das."

Das Geld ist knapp, und das spürt natürlich auch der dortige Partnerschaftsverein. Vorsitzender Peter Harris und seine Freunde hoffen zwar, 1993 wie die Oer-Erkenschwicker und Lübbenauer Sportler an den Spielen der Freundschaft in Halluin teilzunehmen. Aber ob ihr Wunsch in Erfüllung geht, diese Spiele 1995 selbst auszurichten, das ist denn doch mehr als zweifelhaft. Es sei denn, die Regierung Ihrer Majestät bekommt alle wirtschaftlichen Probleme in den Griff, und das Pfund fließt bis dahin reichlich in die Kommunen. Daran aber glaubt in England kaum jemand.

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